Kleine Geschichte des Neuen Schützenhauses

Es war einmal ...

... lange bevor Fjodor Michailowitsch Dostojewski seine letzten Groschen im Wiesbadener Kasino ließ und auch noch bevor die russisch-orthodoxe Kirche am Neroberg die Einweihung erfuhr, wurde 1843 - die Stadt zählte damals gerade 12000 Einwohner - das Wiesbadener Bürger-Corps gegründet. 1860 folgte der Wiesbadener Schützenverein, und die beiden schlossen sich im Jahr 1909 unter dem Namen Wiesbadener Schützengesellschaft 1843/1860 e.V. zusammen.

War das Schützenhaus zunächst auf dem Gelände "Unter den Eichen" angesiedelt, erhielt der Verein im Jahre 1911 das Grundstück hinter dem Tierpark Fasanerie, wo er heute noch ansässig ist.

(weitere Bilder folgen in Kürze)

Während die Gastwirtschaft bereits im darauf folgenden Jahr eröffnet werden konnte, wurde das Neue Schützenhaus erst nach Fertigstellung der Schießstände am 14. Juni 1913 eingeweiht - aus Anlass des Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelm II.

 

Dem Bau war ein Wettbewerb unter den deutschen Architekten voraus-gegangen, der nicht nur die Errichtung der Schießanlagen enthielt, sondern auch den Auftrag, ein repräsentatives Gebäude mit gärtnerischen Anlagen zu errichten, zum Inhalt hatte.

Während der I. Weltkrieges, in dem das Anwesen keinen Schaden nahm, diente die moderne Schießanlage der Ausbildung der kaiserlichen Armee, aber noch 1930 verbot die französische Armeeden Schützenvereinen die Betätigung und benutzte den Schießstand selbst für ihre Übungen.

Nach der Zeit des Nationalsozialismus und dem Ende des II. Weltkrieges, in dessen Verlauf der Schießstand und das Neue Schützenhaus von vielerlei militärischen Einheiten genutzt worden war, dauerte es bis 1952, das Schützenvereine wieder zugelassen wurden. Das beschlagnahmte und teilweise zerstörte Haus diente den Zwecken der amerikanischen Armee, die es jedoch 1953 der Wiesbadener Schützengesellschaft e. V. übergab. Noch bis 1956 war der "Rod & Gun Club", ein US-amerikanischer Schützenverein, im Schützenhaus beheimatet.

Mit der Familie Hartung zog 1960 ein neuer Pächter unter der Regie der Wiesbadener Germania-Brauerei ein - zu dieser Zeit war das Neue Schützenhaus eine Hotel-Pension mit elf Zimmern. Die Wiesbadener Schützengesellschaft hatte zu dieser Zeit etwa 250 Mitglieder, es wurden deutsche Meisterschaften gewonnen und die WSG wurde zu einem Begriff in der Schützen-Szene.

Zu Beginn der 70er Jahre wurde - wie vielerorts in der Republik - der Abriss des bestehenden Gebäudes diskutiert. Es sollte einem modernen, funktionellen Zweckbau Platz machen. Diese Pläne scheiterten an der einhelligen Ablehnung der Vollversammlung des Schützenvereins.

Allerdings gab es seit 1975 keine öffentliche Gastronomie mehr.

Anfang der 1980 er Jahre wurde eine aufwendige Sanierung des Gebäudes in Angriff genommen.

Im Jahre 2009 wurde in der Jahreshauptversammlung des Schützenvereins beschlossen, einen Pächter zu suchen und das Gasthaus Neues Schützenhaus wieder für "Jedermann" zu öffnen. 

Das Neue Schützenhaus heute -

so prachtvoll wie vor hundert Jahren !